Immer wieder gleich

Eine ewige Wiederkehr. Die einen sind gleich, die anderen gleicher. Nach jedem Anschlag sind die Aussagen die gleichen. Es sind Stehsätze, mit denen Politiker ihre Hilflosigkeit zu überspielen versuchen.

Anschlag-Paris

Nach den Terroranschlägen von Paris waren die Solidaritätsbekundungen überwältigend. Tennisspieler, Fußballstars, ja, selbst Autorennfahrer brachten ihre tiefe Betroffenheit zum Ausdruck, und IOC-Präsident Thomas Bach gab überhaupt gleich die Parole aus: „Wir sind alle Franzosen.“ Ob er damit auch die Pariser Attentäter mit französischem Pass meinte, ist mir nicht bekannt.

Nicht ganz so überwältigend war die internationale Solidarität nach den Anschlägen von Beirut vor wenigen Tagen. Na gut, Beirut ist weit weg, und es gab ja auch nur knapp fünfzig Tote, und wenn man sich zu jedem Terroranschlag im Nahen Osten äußern würde, käme man vor lauter Twitter- und Facebook-Betroffenheitserklärungen ja zu gar nichts mehr. Auch als am 10. Oktober in Ankara bei einem Anschlag auf eine von der Demokratischen Partei der Völker (HDP) organisierte Friedenskundgebung mehr als 100 Menschen starben, hielt man sich in unseren Breiten mit Solidaritätsbekundungen eher zurück.

Ganz anders nach den Anschlägen von Paris, wo jeder noch so unbedeutende Politiker vor die Fernsehkamera drängte, um zu betonen, dass man jetzt mit vereinten Kräften gegen die Terroristen vorgehen müsse und nicht eher ruhen werde, bis – der nächste Anschlag passiert.

Und nach jedem Anschlag sind die Aussagen die gleichen: Man sei schockiert, fühle mit den Opfern und werde alles tun, um die Schuldigen zu finden. Es sind Stehsätze, mit denen Politiker ihre Hilflosigkeit zu überspielen versuchen, um selbst im Schatten des Terrors noch halbwegs gut wegzukommen.

Es sieht für mich aus wie ein gescheitertes Konzept, dabei wäre es doch interessant, einmal darüber nachzudenken, ob es zwischen dem weltweiten „Kampf gegen den Terrorismus“ und der dramatischen Zunahme von Terroranschlägen einen Zusammenhang gibt. Irgendetwas stimmt doch hier nicht: Auf der einen Seite werden unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung weltweit Milliarden ausgegeben, auf der anderen Seite nimmt die Zahl der Terroranschläge in einem Ausmaß zu, dass die entsprechenden Beteuerungen der Politiker doch nur noch wie blanker Hohn klingen. Trotz umfassender Kontrollmaßnahmen und der damit einhergehenden Entdemokratisierung sämtlicher Lebensbereiche ist es nicht gelungen, die Bürger vor Terroranschlägen zu schützen. Es ist also offensichtlich, dass das Konzept, man könne Sicherheit durch noch mehr Kontrolle erreichen, gescheitert ist.

Solange die strukturellen Ursachen des Terrorismus nicht bekämpft werden, werden wir im Westen noch viele Anschläge wie jene von Paris erleben. Gleichzeitig sollten wir aber nicht vergessen, dass es in Damaskus, Bagdad und Kabul jeden Tag Anschläge mit hunderten Toten gibt, ohne dass sich unsere Politiker oder Sportler davon besonders betroffen zeigen würden.

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Veröffentlicht von

Ostfrieslanduwe

Bevor man dann unter den Torf kommt, erlebt man einiges im Leben

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