An der Grenze zu Mazedonien

Es geht nicht nach vorn und nicht zurück, viele Flüchtlinge sagen, sie würden eher sterben, als zurück in die Heimat zu gehen. Die Hoffnung und die Verzweiflung liegen nur ein paar Meter voneinander entfernt, als wären sie getrennte Zwillinge.

Auf der Seite der Hoffnung befinden sich die Afghanen, die Iraker und die Syrer. Sie stellen sich in Reihen an, um in den Zug zu steigen, der sie an die serbische Grenze bringt. Zuerst die Syrer, dann die Afghanen, so ist heute die Ordnung. Hier in Gevgelija an der griechisch-mazedonischen Grenze geht es darum, welcher Nation man angehört.

Mazedonien

Denn Deutschland will in Zukunft nur mehr Kontingente von Syrern und Irakern aufnehmen. Und Gevgelija ist der Ort, wo dieser neue EU-Flüchtlingsfilter erprobt wird. Die Logistik in Gevgelija hat das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR übernommen. Vor ein paar Wochen gab es hier keine einzige Toilette, jetzt gibt es saubere, weiße, riesige Zelte, Duschen und WCs für Frauen, Duschen und WCs für Männer, Hinweisschilder, ein Zelt mit Spielsachen und Kindergärtnerinnen für Flüchtlingskinder. Nur der Weg ist noch gesäumt von Schuhen, Jeans, Plastiksäcke, alles Zeugen der letzten Monate. Denn hier sind Hunderttausende diesen Sommer und Herbst über die Grenze gelaufen.

„Go, go, go!“ hört man die Leute rufen, die etwa einen Kilometer weiter hinter den Büschen von der Polizei und dem Stacheldraht aufgehalten werden. Es ist die Seite der Verzweiflung. Seit dem 18. November werden die Menschen in Kriegsflüchtlinge und Wirtschaftsflüchtlinge aufgeteilt. Deshalb kann es leicht passieren, dass man gefragt wird, ob man nicht einen syrischen Pass besorgen könne. Die Selektion stiftet Neid und Aggression. Denn die einen sehen die anderen über die Grenze marschieren. „Wieso dürfen die Syrer nach Deutschland? Wir wollen auch nach Deutschland. Die Syrer könnten ja in Griechenland bleiben“, sagt ein Iraner. Andere Flüchtlinge behaupten wiederum, dass manche Iraner sich als Afghanen ausgeben würden, um nach Deutschland zu kommen.

Auch auf der Seite der Verzweiflung gibt es große Zelte des UNHCR, und auch Ärzte ohne Grenzen sind vor Ort, Clowns spielen mit den Kindern. Andererseits berichten Flüchtlinge, dass sie zu wenig zu trinken und zu essen hätten. Jedenfalls haben nicht alle bei dem strömenden Regen in den großen Zelten Platz. Es ist ein Lager voller trauriger Fluchtgeschichten, zu denen sich nun auch noch die Enttäuschung gesellt. Manche reagieren hier mit Trotz und Schreien. Andere reagieren mit Stille, wie die Gruppe von Nepalesen.

Der Himmel ist weit, das Land ist flach hier. Man sieht nur bis zum nächsten Busch. Der Regen wird immer kälter und dichter.Das ist im gelobten Land Deutschland natürlich völlig anders: 365 Tage im Jahr Sonnenschein, schöne Gebirgszüge und dazu ist bekanntlich alles gratis.Bezeichnend, wenn das schlechte Wetter und die gewöhnliche Landschaft die größten Sorgen der angeblichen Kriegsflüchtlinge darstellt…
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Veröffentlicht von

Ostfrieslanduwe

Bevor man dann unter den Torf kommt, erlebt man einiges im Leben

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