Dayton ist nicht gleich Dayton

Die Eroberungen der bosnischen Armee ab Sommer 1995 waren die Voraussetzung dafür, dass die Armee der Republika Srpska zu Verhandlungen bereit war. Das führte schließlich zum Friedensabkommen von Dayton. Doch auf der Seite der bosnisch-serbischen Armee überwog das Gefühl der Niederlage. In der Republika Srpska machte sich damals große Enttäuschung breit, heute ist man in der Republika Srpska sehr zufrieden mit Dayton, in der Föderation hingegen mag man das Abkommen nicht.

Dayton

Daran merkt man, dass Dayton eben nicht Dayton ist, sondern eine Frage der Interpretation. Dayton ist tatsächlich nicht gleich Dayton: Heute berufen sich am ehesten bosnische Serben auf das Abkommen, weil es der Republika Srpska (RS) weitgehende Autonomierechte zusichert. Gleichzeitig gibt es aber von einem Teil der politischen Eliten in der RS seit vielen Jahren Versuche, die Verfassung zu brechen und die Unabhängigkeit der RS voranzutreiben. Dayton ist der einzige Friedensvertrag, in dem eine Verfassung verankert ist. Und das ist auch das Grundproblem. Der entscheidende Fehler war, dass man keinen Verfassungsprozess ermöglicht hat wie im Kosovo, im Irak oder in Afghanistan, wenn man zunächst eine Interimsverfassung gemacht hätte, dann hätte man in einem längeren Prozess mit mehr Substanz ein Grundgesetz ausarbeiten können, das viel mehr Legitimität hätte. Doch zum Zeitpunkt des Abkommens waren alle Diplomaten von den unzähligen gescheiterten Verhandlungen im Krieg geprägt. Das gegenseitige Vertrauen war äußerst gering. Durch den Vertrag sind die Blockade und Vetomöglichkeiten der beiden Entitäten bis heute stark.

Kurz vor dem 20. Jahrestag der Unterschrift unter den Vertrag am 14. Dezember kommt auch in Sarajevo keine Feierstimmung auf. Der Frieden hat nicht gebracht, was man sich erhofft hatte. Für viele ist Dayton ein Provisorium geblieben, man hat das Gefühl, dass die Vergangenheit noch heute relevant ist, und es wird an den Kriegszielen festgehalten, es ist eine Konsensdemokratie ohne Konsens, es fehlt Einigkeit über das Wichtigste, nämlich darüber, wie man regiert, wie man den Staat organisiert únd so betrachtet ist das ganze Land ein Provisorium, künstlich am leben erhalten.

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Jetzt wird es sinnlich

Wenn meine Frau das schon sagt und das kurz vor dem Ersten Advent, da denke ich war ja klar, jetzt kommst wieder, unzählige brennende Kerzen in den Räumen mit akuter Atemnot.

kitsch im advent

Naja für sie dient diese Sinnlichkeit zur Erholung von schlechten Nachrichten. Für mich, dass ich wieder für alle möglichen Firlefranzsachen zum einkaufen geschickt werde. Aber was solls, einfach durch.

Mindestens ein Arrangement mit Tannenzweigen, Lorbeer und sonstigen winterlichen, grünen Zweigen, der Duft von Vanille, Zimt, frisch gebackenen Plätzchen und einem selbgemachten Christstollen gehört einfach dazu. Dazu eine CD vom Renttier mit der roten Nase, anderen würgenden Weihnachtsliedern, dass ist Adventszeit und ein wahrer Genuss für Leib und Seele, sagt jedenfalls meine Frau und was mach ich? Na was schon, Gute Miene zum Spiel.

Zugegeben,ich bin jetzt nicht gerade ein Fan von Kitsch aber ab dem 1. Advent darf es uneigeschränkt kitschig und ganz viel Platz in unserem Haus haben, ich kann es sowieso nicht ändern. Da tummeln sich neben unzähligen brennenden Kerzen in allen Farben und Grössen,Engeln und Tierchen aus allen Materalien und in allen Grössen auf jedem Ort wo sich ein Plätzchen finden lässt.

Aber ich hab auch meine Genugtung, wir haben eine zu groß geratene Hauskatze mehr eine Katzehybridin, ist ein Rotluchs drin enthalten und da ist das klirren wenn sie den ganzen Schnödder sieht schon vorprogrammiert. 😉

 

Mann stelle sich vor

„In den nächsten Wochen feiert das christliche Abendland einen ungarisch-römischen Soldaten (11.11., Heiliger Martin, hatten wir schon), einen türkischen Bischof (6.12., Heiliger Nikolaus), einen aramäischen Wanderprediger (24.12., Jesus), ein paar jüdische Hirten (25.12.) und drei persisch-arabische Sterndeuter (6.1., Heilige Drei Könige).
Man stelle sich vor, die würden als Gruppe im Advent versuchen, Montags in Dresden über den Weihnachtsmarkt zu laufen.“

Ja ich weiß, Sie waren damals alle RÖMER und Jesus war ein Jude der sprach die Umgangsprache aramäisch, die Sterndeuter waren keine Araber. Es gab damals auch keine Türkei, der sog. „türkische“ Bischof war Grieche.
Nikolaus wirkte in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts als Bischof von Myra in der kleinasiatischen Region Lykien, damals Teil des römischen, später des byzantinischen Reichs, heute der Türkei. Die wahre Geschichte ist ja, daß die Christen von Myra durch die Türken/Moslems vertrieben wurden. A
ber das ist gleich, die Reaktionen seitens der Pegida würden mich interessieren. 😉

Stadt und Land in Angst

Wenn die Pariser Bevölkerung nicht mehr rebelliert, nicht mehr mit gereckten Fäusten demonstriert, dann stimmt etwas nicht mehr. Im Januar waren nach den Charlie-Hebdo-Anschlägen (17 Tote) vier Tage später allein in Paris weit über eine Million Menschen auf die Straße gegangen. Jetzt sind 130 Opfer zu beklagen und die Hauptstädter ducken sich vor dem nächsten Schlag, hängen noch wie groggy in den Ringen, pausieren. Auch Hemingways Leitspruch, Paris sei ein Fest, bittet um Auszeit.

Zusammenhalt

Meine Ehefrau, mit der ich seit über 30 Jahren verheiratet bin, deren Eltern Franzosen sind, erkenne ich in manchen Augenblicken nicht wieder, so sehr ist sie mit ihren Gedanken bei ihren Eltern, unseren gemeinsamen Verwandten und Freunden und dem was dort passiert ist.

Ja, diesmal hat es das Pariser Volk wirklich getroffen. Denn jetzt sind nicht vorgewarnte Satiriker, Juden oder Polizisten getroffen worden, sondern unbeteiligte Normalbürger, junge Konzertbesucher und Bistrobesucher, die eiskalt und methodisch niedergeschossen wurden, im Bataclan wie in einer Massenhinrichtung. Am vergangenen Wochenende war die Spannung in der Stadt so groß, dass die Passanten im Marais-Viertel wegen einer zerplatzten Birne in einem Bistro in panischem Schrecken davonrannten. Seither geht es Schlag auf Schlag.

Am Mittwoch konnten die Franzosen live die Kriegsszenen des Sturmangriffs auf eine Terroristenbude in Saint-Denis mitverfolgen. Am Freitag wurde das von der Air-France-Besatzung benützte Luxushotel Radisson in der französischen Ex-Kolonie Mali angegriffen (mindestens 21 Tote). Am Samstag war das frankophone Brüssel, nicht einmal eineinhalb TGV-Stunden von Paris entfernt, in höchster Alarmbereitschaft.

Die Angst hält Paris in ihren Klauen. Der Selbstmordanschlag war für Frankreich ein Novum, wie schon im Juni die Enthauptung eines Unternehmers bei Grenoble. Das kannte man bisher nur aus dem Fernen Osten. Premierminister Manuel Valls fragt sich gar öffentlich, ob die Terroristen bald chemische oder biologische Waffen einsetzen könnten. Zur Sicherheit trinken viele Franzosen kein Leitungswasser mehr.

Wie selbstverständlich, und in seltener politischer Einmütigkeit, hat das Parlament diese Woche den nationalen Ausnahmezustand bis im Februar verlängert. Die Folgen sind einschneidend. Salafisten und andere Radikalislamisten können nun mit Hausarrest belegt, ihre Papiere beschlagnahmt und ihre Computerspeicher kopiert werden. In mehr als hundert Fällen geschah dies offenbar schon; Genaues erfährt die Öffentlichkeit nicht. Sie stellt nur fest, dass hier eine Moschee geschlossen wird, dort ein Gebetsraum versiegelt. Seit Januar ist der Antiterrorplan Vigipirate bereits auf der höchsten Stufe (alpha rouge). Trotzdem scheinen die Dreierpatrouillen von Soldaten in Tarnanzügen und mit geschultertem Sturmgewehr in den Pariser Bahnhöfen noch zahlreicher geworden zu sein.

Pariser Soldaten

Man muss es sich vergegenwärtigen: Im Herzen des demokratischen Europa herrscht Ausnahmezustand, mit Polizeivollmachten, die nicht einmal mehr von der Justiz kontrolliert werden. Präsident François Hollande spricht ohne Unterlass von „Krieg“. Der Sozialist ist zweifellos der militaristischste und Bush-ähnlichste Präsident, den Frankreich in den letzten zwanzig Jahren gekannt hat.

Die Franzosen sind nicht revanchelüstern wie die Amerikaner nach „Nine Eleven“. Ihnen steht der Sinn nicht nach einem „Patriot Act“ à l’américaine; sie wollen weder Guantanamo, Waterboarding noch eine neue Irakkriegslüge, die alles nur noch verheerender machen würde. Der Ausnahmezustand setzt die demokratischen Mechanismen Frankreichs nicht außer Kraft, er sucht sie im Gegenteil abzusichern und zu retten gegenüber den jihadistischen Chaos-Verbreitern.

Das Arge daran ist eher, dass sich diese Terrorbruderschaften der Merahs, Kouachis und Abdeslams nicht allein sind. „Es gibt Tausende, die Frankreich hassen“, meint der Islamkenner Gilles Kepel. In der so genannten S-Fiche des französischen Geheimdienstes, in der 11 500 gefährliche oder gewaltbereite Personen figurieren, sind 4000 Radikalislamisten.

Hasna Ait Boulahcen

In der Fiche war nicht einmal Hasna Ait Boulahcen (Siehe oben), die Cousine des Pariser Chef-Attentäters. Sie war ein Partygirl, trank Alkohol, trug Jeans und die Haare offen, galt als leicht labil – und mutierte binnen wenigen Monaten zur Terroristin. Ein Nachbar erklärte den Journalisten lachend, nein, Hasna habe nie nur auch einen Buchstaben des Koran gelesen.

Das macht es nur noch schlimmer. Denn es bestätigt, dass es ein riesiges Reservoir aus Banlieue-Jugendlichen gibt, die sich über Nacht in brandgefährliche Jihadisten verwandeln können. Die über Nacht zuschlagen können. Frankreich wird sich dessen erst gerade bewusst. Das ist wohl der Hauptgrund für den zunehmenden Absatz von Beruhigungsmitteln.

Dann denke ich an die gemeinsamen Urlaube die ich mit meiner Ehefrau und meinen Kindern in Frankreich verbracht habe, wie wir gemeinsam in Paris vormittags in die Boulangerie ginen, um frisches Baguette zu kaufen, frühstückten und anschließend durchs Quartier Latin schlenderten oder einfach nur die Seine entlang.

Da frage ich mich, kommt das noch schlimmer und das nicht nur in Frankreich sondern überall in Europa und sehe gleichzeitig auch nur eine Lösung. Kein Geld und keine Waffe kann groß genug sein, um diese feigen verblendeten Anstifter dieser Terrorgruppen sowie sie selbst auszuschalten auch wenn ich jetzt wie Hollande klinge.

 

 

 

Seehofer als CSU-Chef mit bisher schlechtestem Ergebnis wiedergewählt

Die deutsche CSU hat ihren Vorsitzenden Horst Seehofer für weitere zwei Jahre wiedergewählt, ihm aber einen Denkzettel verpasst. Beim Parteitag in München erhielt Seehofer am Samstag 87,2 Prozent der Stimmen – sein bisher schlechtestes Ergebnis. Vor zwei Jahren hatte er noch 95,3 Prozent erzielt. Von den knapp 800 Delegierten stimmten am Samstag fast 100 gegen Seehofer.

Insgesamt waren von 788 abgegebenen Stimmen 665 für Seehofer. 98 Delegierte stimmten gegen ihn, 25 Delegierte machten ihre Stimmzettel ungültig – ungültige Stimmen werden bei der CSU bei der Ermittlung des Ergebnisses nicht mitgezählt.

Killer-Seehofer-Waffe-Schalldämpfer

Ich denk mal nicht, dass er jetzt Amok läuft und irgendwie hat er ja auch recht meint Maria R. eine 29 jährige Lehrerin.

Ob er recht hat oder nicht, steht eigentlich garnicht zur Debatte, wichtig ist was die Genfer Konvention, die EMRK, die EU Grundrechtscharta und das EU Recht allgemein sagen. Der Seehofer ist nur Ministerpräsident einer kleineren EU Region.

Mit dem Asylwesen ist es eben wie mit dem Mobilfunk. Jeder will telefonieren aber keiner will in der Nähe eines Funkmasten leben …